AKT 1
Wir befinden uns im Auto, an einem schönen Sonnentag im Frühling. Mutter fährt, ich sitze auf dem Beifahrersitz. Unser familiäres Verhältnis ist eng und liebevoll, aber wir reden nicht über Persönliches, über Gefühle. Ich bin unsicher, nervös, denn am selben Tag soll mich die Frau bei meinen Eltern besuchen, in die ich mich verliebt habe – zum ersten Mal in meinem Leben bin ich in eine Frau verliebt! Ich habe das Gefühl, ich muss es meinen Eltern sagen, weil sie es doch eh merken würden, so verliebt bin ich.
Ich: Äh, Mama…
Mutter (in Gedanken versunken): Hm?
Ich: Also, die da kommt..ich mag die.
Mutter: Hm?
Ich: Ich mag die. Die mich da besuchen kommt. Ich mag die sehr.
Mutter: Na das wollen wir ja doch hoffen. Pause. Ooooh!
Ich: Ja.
Mutter: Ach so.
Ende des Gesprächs. Das ganze Wochenende über sind die Eltern sehr freundlich zu der Frau, zu mir, und ich bin mir immer unsicherer, ob die Info richtig angekommen ist, weil sie so sehr unkommentiert bleibt.
AKT 2
Einige Wochen später. Ich befinde mich in meiner WG. Es ist mittags, ich habe gleich eine Veranstaltung, habe die Jacke schon an und den Rucksack auf dem Rücken. Das Telefon klingelt. Auf dem Display ist die Nummer meiner Eltern. Ich gehe ran.
Ich: Hallo! Ich hab’s eilig, was gibt’s denn?
Mutter: Hallo! Pause. Wie ist denn das Wetter bei euch?
Ich (genervt): Gut, und bei euch?
Mutter: Gut. Lange, lange Pause. Sag mal, findest du eigentlich Sex mit Männern besser oder mit Frauen?
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